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    Das Jahr des Gaon von Vilnius und die Geschichte der litauischen Juden in Vilnius

    Vilnius war einst eine der bedeutendsten Städte jüdischen Lebens. Auch wenn viele Jahre vergangen sind, seitdem es als die intellektuelle, spirituelle und politische Hauptstadt der jüdischen Zivilisation in Europa bekannt war, wird das jüdische Erbe in den Straßen und Geschichten von Vilnius am Leben erhalten. In dem Bestreben, dem Gedenken an dieses Erbe besondere Aufmerksamkeit zu widmen, wurde das Jahr 2020 zum Jahr des Gaon von Vilnius und der Geschichte der Juden in Litauen ausgerufen. Machen Sie einen Spaziergang entlang einzigartiger Routen, die Ihnen helfen, die Werke berühmter litauischer Juden (auch Litwaken genannt) zu entdecken, an außergewöhnlichen Veranstaltungen teilzunehmen – und die Kultur sowie die Traditionen des jüdischen Volkes, das einst in Vilnius lebte, werden sich vor Ihren Augen entfalten.

    Elijah Ben Salomon Salman

    Der Gaon von Vilnius, Elijah Ben Salomon Salman, war ein Gelehrter, der im Vilnius des 18. Jahrhunderts lebte. Er galt als Oberrabbiner Litauens, als geistiges Haupt der Litwaken und als prominentester Vertreter der jüdischen Kultur Litauens. Das Wort “Gaon” bedeutet im Hebräischen “Herrlichkeit”. Um die Person des Gaon von Vilnius ranken sich viele Legenden. So soll er beispielsweise in der Großen Synagoge von Vilnius eine Predigt gehalten haben, in der er rabbinische Literatur umfassend erklärte – im Alter von nur sieben Jahren. Die wohl bedeutendste Leistung des Gaon bestand in seinen Kommentaren zu zahlreichen alten Texten, insbesondere zum Talmud. Die größte Menge an Schriften aber, die wir heute besitzen, geht auf seine Schüler zurück, da der Gaon von Vilnius selbst fast gar kein schriftliches Material hinterlassen hat.

    Nach seinem Tod wurde der Gelehrte auf dem Friedhof Šnipiškės begraben, aber die Überreste wurden im 20. Jahrhundert auf den neuen jüdischen Friedhof verlegt, wo das Grab des Gaon heute von einem Mausoleum umgeben ist.

    Besuchen Sie auch das Denkmal für den Gaon von Vilnius, das den Ort markiert, an dem einst sein Haus stand. Die Arbeit des Bildhauers Mindaugas Šnipas ist eine stilisierte Darstellung, die ihrerseits auf einer Gipsbüste basiert, die von Teodoras Kazimieras Valaitis geschaffen wurde, aber verlorengegangen ist.

    Die Große Synagoge von Vilnius

    Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es in Vilnius 135 Synagogen und Bethäuser, wobei die Große Synagoge das Zentrum des jüdischen geistigen und kulturellen Lebens in Litauen war. Heute sind die Überreste der Großen Synagoge ein bedeutender Teil des kulturellen Erbes von Vilnius. Die Große Synagoge von Vilnius wurde Ende des 16. Jahrhunderts erbaut, als die jüdische Gemeinde in Vilnius erstmals ein eigenes Gotteshaus errichten durfte. Das ursprüngliche Gotteshaus war aus Holz. Im Jahr 1633 erteilte König Władysław IV. Wasa jedoch eine Genehmigung zum Bau einer Synagoge aus Ziegelsteinen im jüdischen Viertel. Nach den damals geltenden Gesetzen durfte eine Synagoge nicht höher sein als die sie umgebenden Kirchen, aber die Architekten der Synagoge fanden eine Lösung, indem sie mehrere Untergeschosse bauten. Von außen waren nur drei Stockwerke sichtbar, aber das Innere enthüllte deren fünf. Der quadratische Hauptraum konnte bis zu 300 Personen aufnehmen, aber die Synagoge als Ganzes, die alle anderen ähnlichen Bauwerke dieser Zeit übertraf, konnte bis zu 5f000 Gläubige beherbergen. Dieses architektonische Monument, das schwere Schäden erlitt, aber den Zweiten Weltkrieg dennoch überdauerte, wurde später von den Sowjets vollständig abgerissen. Drei Originalstücke, d.h. eine Tür des Toraschreins, ein Lesepult und ein Basrelief mit den Zehn Geboten überlebten auf wunderbare Weise die Zerstörung und sind heute im Jüdischen Museum Gaon von Vilnius ausgestellt.

    Im Jahr 2011 fand ein Team aus amerikanischen, israelischen und litauischen Archäologen Überreste des Gebäudes, die sich in einem recht guten Zustand befanden. In der Zeit von 2016 bis 2017 wurde der Standort der Mikwen des öffentlichen Badehauses entdeckt, das sich im Besitz der jüdischen Gemeinde befand. Darüber hinaus wurden im Juli 2018 weitere archäologische Untersuchungen des Synagogenkomplexes durchgeführt. Unter anderem fand man eine Inschrift auf einem Teil des steinernen Thora-Lesepults, das auf der prächtigen Bima der Synagoge gestanden hatte.

    Im Jahr 2023 (an ihrem 700. Geburtstag) plant die Stadt Vilnius zum Gedenken an alle während des Holocausts getöteten Juden und die Große Synagoge die Errichtung eines jüdischen Gedenkzentrums. 

    Spaziergang entlang der Route des jüdischen Erbes

    Wenn Sie das jüdische Erbe auf eigene Faust entdecken möchten, dann finden Sie auf www.govilnius.lt alle dafür notwendigen Informationen. Sie erhalten aber auch ein gedrucktes Faltblatt in einer der Tourismus-Informationen. Die Route nimmt Sie mit auf eine Reise durch verschiedene Epochen – angefangen vom 16. Jahrhundert, als die Große Synagoge gebaut wurde, bis hin zur Geschichte der Ghettos im 20. Jahrhundert und einer Holocaust-Ausstellung im Staatlichen Jüdischen Museum Gaon von Vilnius. Auf diese Weise können Sie die berühmtesten Litwaken und ihre Werke kennenlernen.

    Walls that Remember

    Das Kunstprojekt “Walls that Remember” ist eine zeitgenössische Hommage an das Erbe der jüdischen Gemeinde von Vilnius. Das Glaserviertel in Vilnius war seit dem 17. Jahrhundert das Zentrum jüdischen Lebens in Vilnius. Die Gemälde im Graffiti-Stil, die heute an den Wänden der Gebäude zu sehen sind, basieren auf tatsächlichen Darstellungen des Lebens der jüdischen Gemeinde in Vilnius. Das Ganze funktioniert also wie eine Zeitmaschine, die zwei Welten miteinander verbindet und den Besuchern, die durch die Straßen gehen, zeigt, wie die jüdische Gemeinde arbeitete, Familien gründete, wie man aufwuchs und alt wurde.

    Ort: The Glass Quarter

    Facebook: @wallsthatremember

    Bagel Store

    Essen verbindet verschiedene Traditionen, Nationen und Generationen. Der Bagel Shop ist ein Projekt für Toleranz der litauischen jüdischen Gemeinde. Der Coffeeshop bietet eine einzigartige Möglichkeit, authentische jüdische Gerichte zu probieren und jüdische Feiertage zu feiern. Durch die Verkostung von traditionellen Bagels, Suppen und Brotaufstriche erhalten die Besucher die Möglichkeit, jüdische Alltagskultur selbst zu erleben.

    Ort: Pylimo 4 

    Facebook: @beigeliukrautuvele

    Ladenschilder

    Wenn Sie durch die Žemaitijos gatvė gehen, schauen Sie sich die Schilder der Geschäfte mit jiddischen und polnischen Beschriftungen an, die heute noch sichtbar sind. Die jüdischen Geschäfte wurden von Menschen aus allen Gesellschaftsschichten aufgesucht und waren beliebte Anlaufstellen, um Öl, Salz, Kaffee oder Zigaretten zu kaufen.

    Ort: Žemaitijos street

    Fenster Fotos 

    Die gezeigten Bilder wurden in den Überresten des Ghettos gefunden. In der Straße finden Sie auch eine Fülle von Informationen über das Ghetto selbst.

    Ort: Žemaitijos 4

    Stolpersteine

    Der deutsche Künstler Gunter Demnig hat auch in der Altstadt von Vilnius kleine Messing-Gedenktafeln im Boden verlegt. Jede der Messingtafeln erinnert an eines der Opfer des Naziregimes.

    Ort: Vilnius Old Town, various venues

    Webseite: www.manoteises.lt

    Ghetto-Theater Vilnius

    Das Ghetto von Vilnius war eines der wenigen, die über Theater verfügten. Die erste Aufführung des Theaters fand am 18. Januar 1942 statt. Innerhalb eines Jahres brachte das Theater 111 Stücke zur Aufführung und verkaufte fast 35.000 Karten. Das Geld wurde für allgemeine Bedürfnisse im Ghetto und als finanzielle Hilfe für die ärmsten seiner Bewohner verwendet. Heute ist am Gebäude eine Gedenktafel angebracht.

    Ort: Arklių 5

    Zentrum für Toleranz

    Ein Ort, der die Möglichkeit bietet, die Welt der litauischen Juden zu entdecken, aus der Geschichte zu lernen und gleichzeitig eine gemeinsame Zukunft zu bilden. Die Ausstellungen im Zentrum zeigen das Leben der jüdischen Gemeinde in Vilnius sowie Kunstwerke berühmter Litwaken.

    Ort: Naugarduko 10
    Webseite: www.jmuseum.lt

    Holocaustausstellung

    Die Ausstellung zeigt die jüdische Geschichte vom Beginn jüdischen Lebens im Großfürstentum Litauen bis hin zu den tragischen Ereignissen im 20. Jahrhundert. Dies ist oft eine Geschichte von Tod, aber auch des Überlebens. Auch wenn Litauen im Zweiten Weltkrieg die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung verloren hat, so lebt doch die Erinnerung an sie durch Geschichten und Menschen weiter.

    Ort: Pamėnkalnio 12
    Webseite: www.jmuseum.lt

    Gedenkstätte Paneriai

    In der Zeit von 1941 bis 1944 wurden durch Massenmorde in Paneriai bis zu 100.000 Menschen getötet, von denen die Mehrheit jüdische Bürger von Vilnius waren. Im Ghetto von Vilnius bedeutete das Wort “Paneriai” ein Todesurteil. In der Ausstellung der Gedenkstätte finden die Besucher Dokumente und Notizen der Nazi-Besatzer, persönliche Gegenstände der Opfer, die am Ort des Massakers gefunden wurden, Daten der geophysikalischen Untersuchungen durch die Gedenkstätte und weitere Informationen. In der Gedenkstätte für die Opfer von Paneriai befinden sich 9 Denkmäler – für Juden, Polen, Litauer, sowjetische Kriegsgefangene und Roma.

    Ort Agrastų 15
    Webseite: www.jmuseum.lt

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